WORTE WIE GESPROCHEN FÜR DIESE VER-RÜCKTEN ZEITEN

GEISTLICHES WORT ZUM 2.SONNTAG NACH TRINITATIS (21.06.2020) VON PRÄLAT TRAUGOTT SCHÄCHTELE)

Zu Matthäus 11,25-30

Kein Zweifel, es sind anstrengende Zeiten, in denen wir uns derzeit befinden. Der große gesellschaftliche Stillstand hat nicht einfach zur großen Erholung geführt. Auch das verordnete Nichtstun hat Kräfte gekostet. Und viele andere waren in diesen Wochen erst recht bis an die Grenzen ihrer Kräfte und ihrer Möglichkeiten – und nicht selten darüber hinaus - eingespannt. Die einen wie die anderen waren verbunden in einer Allianz der Überforderung. Ob im unfreiwilligen Herausgenommensein oder in der Last zusätzlicher Verantwortung.

Nicht nur einzelnen Menschen, auch einer Gesellschaft als ganzer kann irgendwann die Luft ausgehen. Gut, dass der Druck derzeit spürbar nachlässt. Nein, es ist noch lange nicht alles gut. Aber vieles kommt allmählich wieder in Gang. Arbeitsprozesse sind von Neuem am Laufen. Angehörige können besucht werden, wenn auch unter teilweise noch schwierigen Bedingungen. Gemeinden feiern wieder Gottesdienst in ihrer Kirche. Die Abstandsregeln haben die bleibend empfundene Zusammengehörigkeit nicht außer Kraft setzen können.

Nach wie vor sind wir unterwegs durch die Coronazeiten. Aber mit deutlich erhobenerem Haupt. Was vielfach bleibt, ist die Erschöpfung. Wie nach einer halbwegs überstandenen Depression. Wie wenn sich „Mehltau“ auf unser Empfinden gelegt hätte - so hat der Soziologe Hartmut Rosa unlängst seine Wahrnehmung des allgemeinen Seelenzustands beschrieben.

Und dann ein Sonntagstext wie dieser. Er kommt nicht nur mir wie gerufen! Er findet die rechten Worte, wo ich immer wieder neu auf der Suche nach ihnen bin. Eine Stimme, die herausruft aus der unheilsamen Umklammerung, in die mich die Krise eingesponnen hat: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“ Ein Satz, wie für diese Tage und Wochen gesprochen und gerufen. Ein Satz, der längst auch ohne die Worte davor und danach seiner wohltuenden Botschaft wegen Karriere gemacht hat. Als „Heilandsruf“ wird er betitelt. Und damit in den Rang einer aufs knappste konzentrierten Formulierung der Kernbotschaft dieses Jesus aus Nazareth gehoben.

„Kommt her zu mir!“ Was beim ersten Hinhören marktschreierisch oder nach Werbesprech klingt, ist seelsorglich, ja eigentlich einfach menschenfreundlich gemeint. „Kommt her!“ – da ist ein Satz, der mich aufmerken lässt, gerade in den Tagen, in denen ich meist aufgefordert werde, den rechten Abstand einzuhalten. Im Blick auf die Gesundheit ist es derzeit immer noch eher nicht ratsam, diesem Ruf des „Kommt her!“ Folge zu leisten. Im Blick auf meine geschundene Seele aber umso mehr. Aber ich muss mir schon sicher sein, warum und durch wen ich meine Abstands-Vorsorge aushebeln lasse.

Glauben meint darum ja auch, die Wahl zu treffen, wem ich in meinem Leben und in meiner Verletzlichkeit Vertrauen schenke. Der werbenden Aufforderung „Kommt her!“ nachzugeben, meint dann, auf den zu setzen, der der Vertrauenswürdigkeit Gottes in meinem Leben Raum verschaffen will. „Ihr kennt den Vater, wenn ihr den Sohn kennt!“ Dem menschlichen Ruf Jesu zu folgen, heißt mit seinem Leben in den Einflussbereich Gottes zu geraten.

Wer diesem Ruf folgt, gerät nicht einfach auf die sichere Seite des Lebens. Wer diesem Ruf folgt, landet am Ende in der Reihe derer, die zu den Habenichtsen und den kleinen Leuten auf diesem Planeten gehören. Zu denen, deren Klugheit oft nicht ausreicht, sich einfach nur für den eigenen Vorteil zu entscheiden. Den „Unmündigen“ ist offenbart, was sich den „Klugen und Weisen“ nicht so recht erschließt. Wenn ich diesem Ruf folge, merke ich: „Wir leben in ver-rückten Zeiten!“ Damals, zur Zeit Jesu, war das so. Und heute ist es nicht viel anders. Die Schutzbedürftigen und Risikogruppen stehen im Zentrum unserer Initiativen. Auch eigener Reichtum reicht allein nicht aus, um von der Gefahr, von diesem Virus betroffen zu werden, einfach nicht betroffen zu sein.

Was einfach als unhinterfragt und richtig gilt – hier ist es außer Kraft gesetzt: ver-rückte Zeiten!
Wo „immer mehr“ und „immer weiter“ zum Maß alles Wachsens geworden sind – hier ist eine Gegenbewegung in Gang gesetzt: ver-rückte Zeiten!
Wenn nur im Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten der Weg in die Zukunft sicher planen kann – hier wäre zu lernen, auf das geschwisterliche Miteinander zu vertrauen: verrückte Zeiten!

Nein, das Leben unter dem Joch der Mächtigen ist nicht das, wozu es keine Alternative gibt. Ich bin nicht einfach nur das Zugtier, um den Interessen anderer nachzukommen. Das Joch, das mir hier angekündigt wird, ist keines, das mich gängelt. Es ist ein Joch der Freiheit. Erträglich ist, was es mir zumutet. Mehr noch: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht!“ Nur unter dieses Joch will ich mich beugen. Und zuversichtlich dem folgen, dessen „Kommet-her-Ruf“ mich auch in ver-rückten Zeiten leben lässt.

Gebet
Was sind das für Zeiten, Gott, in denen meine Kräfte an ihre Grenzen stoßen und mein Vertrauen in die Zukunft dennoch größer ist.

Was sind das für Zeiten, Gott, in denen sich Mehltau auf die Seele legt und ganz unerwartet Triebe der Hoffnung in mir Wurzeln schlagen.

Was sind das für Zeiten, Gott, in denen mir der Glaube durch die Finger rinnt und einer da ist, der das wenige auffängt und mir reichlich einschenkt.

Was sind das für Zeiten, Gott, in denen mir eine Last auferlegt wird, aber ein anderer käme, um sie mir abzunehmen und sie für mich zu tragen.

Was sind das für Zeiten, Gott, in denen Menschliches zur Mangelware verkäme, wärest du nicht gänzlich unerwartet in einem Menschen an meiner Seite gegenwärtig in meinem Leben.
Amen.

Lied
Wag‘s und sei doch, was du in Christus bist,
in seinem Urteil, in seiner Liebe, in seines Auges ewigem Licht schon bist.

Schuld und Ängste lasten nicht mehr auf dir.
Nun bist du frei zu dienen und lieben, wen du auch triffst und Jesus in ihm, in ihr.

Jetzt schon bist du, der einmal werden wird:
schuldig und heilig, tot und erstanden, freigeliebt, eins mit ihm, der dich heimgeführt.

(EG 646: Jürgen Henkys 1988 - nach einer schwedischen Liedvorlage)

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Kalender

30 Minuten. Mit Gott. Mit Dir. Mit anderen.


Shine your light!
Lass dein Licht leuten!

Mit Pfarrer Jörg Seiter


30 Minuten. Mit Gott. Mit Dir. Mit anderen.


Behütet!

Mit Pfarrer Jörg Seiter, Sopranistin Cecilia Tempesta und Jörg Wetzel.

Cecilia Tempesta singt aus “Psalmlieder” Op. 99  von A. Dvorjak


Gottesdienst zum Abschluss der Konfirmandengruppe 19/20


mit Pfarrer Jörg Seiter und Gemeindediakonin Sabrina Hartlieb


30 Minuten. Mit Gott. Mit Dir. Mit anderen.


Gottesdienst mit Prädikant Uwe Stefan


Gemeinsamer Sommergottesdienst: "tierisch tierisch"


in dieser Woche in Blankenloch. 
Für diesen Sonntag hat Pfarrer Seiter das Kamel ausgewählt.